Das Goldene Ende der Nahrungskette

December 14th, 2010

Warum ich Vegetarier geworden bin? Hauptgrund war zuerst einmal, dass ich eine Zeit lang absolut keine Lust auf Fleisch hatte. Das ist inzwischen 10 fleischfreie Monate her und die Lust auf Fleisch (und Fisch) ist zwar ab und an wieder da, aber genau so schnell wieder weg. Da reicht eigentlich ein Blick auf die vertrockneten oder abgepackten Fleischteile im Regal damit ich mich wieder Gemüse und Käse zuwende.
Irgendwann hatte ich Angst, ich könnte einer dieser unbeliebten Körneresser werden. Die, die am Grillabend gruselige Geschichten aus dem Schlachthaus rezitieren und PETA Videos auf Facebook posten. Nicht nur zu meinem Glück ist das nicht eingetreten.
Ab und an muss ich mich noch „outen“ (essen gehen, Familienfeiern, Grillabende bei neuen oder entfernten Bekannten) und mein innerer Soziologe hat dabei eine (natürlich subjektive und statistisch noch nicht überprüfte) Entdeckungen gemacht: Nicht ich habe ein Problem mit dem, was ich nicht esse aber andere essen – sondern die anderen haben ein Problem damit, dass ich nicht esse, was sie essen. Ob ich diese Leute dann kenne oder nicht, spielt dabei nicht einmal eine Rolle. Ich existiere als Vegetarier unter Nichtvegetariern. Bin ich deswegen eine Gefahr? Mir schwant, es braut sich Unheil über dem Grill zusammen!

Aber bloß keine Furcht, ich lebe nach dem Motto „leben und leben lassen“ – auch in Sachen essen. Ich lasse für mein Essen (Tiere) leben und versuche nicht den Moralapostel zu spielen, wenn andere sich ihre Steaks reinhauen. Ich finde, jeder muss von alleine auf den Trichter kommen, dass Fleisch vielleicht nicht ganz so geil ist und dass es, nur weil man sich selbst zum „Goldene Ende der Nahrungskette“ gekrönt hat nicht zwangsläufig bedeutet massenweise abschlachten (lassen) zu müssen. Wen mein Standpunkt interessiert, dem erklär ich selbigen auch gerne in der jeweils nötigen Detailliertheit. Aber vielleicht kommt mein Gegenüber nie auf den Trichter, das tut mir persönlich auch nicht weh. Entscheidungsfreiheit ist hier das Stichwort.

Dennoch sind die Argumente überzeugter Fleischfreunde immer die gleichen: Geschichte, Evolution, Sarkasmus und Gleichgültigkeit. Mangelernährung lasse ich einmal weg, dass ist kein Argument mehr sondern ein Mangel an ernährungswissenschaftlichen Aufklärungskampagnen, der sich langsam aber sicher legt.
Stichpunkt fiese historische Vergleiche: Beispiele Sklavenhaltung, Unterdrückung der Frau - alles keine schönen Dinge. Und es gibt wohl kaum noch Menschen, die bei klarem Verstand sind und sagen würden „Oh wie schade, dass diese Zeiten vorbei sind.“ Doch wie wurde die Sklavenhaltung gerechtfertigt, warum galt eine Frau früher als minderwertig? Weil irgend ein Mensch (oder mehrere) einst beschlossen hat, dass er das „Goldene Ende der Nahrungskette ist“ und daher jedes Recht hat, das zu tun, was in seinem Verstand als „wahr“ aufblitzte. Gehörte dieser welcher zu einer größeren gesellschaftlichen Gruppe wurde das dann als Allgemeinstandart festgelegt. Survival of the fittest, das Recht des Stärkeren, nach mir die Sintflut, usw. Hier beginnt meistens die Argumentationskette von Nicht-Vegetariern: „Der Mensch hat schon immer Fleisch gegessen“. Ja und jetzt? Nur weil es in der Steinzeit nicht die Lebensmittelauswahl an der Ernährungstheke gab, die wir im 21. Jahrhundert haben, muss man jetzt zwangsläufig Fleisch essen?
Aber für den gewohnt genüsslichen Fleischverzehr haben wir ja von unseren evolutionären vegetarisch lebenden Vorfahren - dem Menschenaffen - unsere Reißzähne geerbt. Wäre schade, wenn die in Zukunft keine Verwendung mehr finden würden, nicht wahr? Nun gut, ich persönlich habe laut meinem Zahnarzt nur mondäne, beinahe moderne und strahlend weiße Schneidezähne im Kiefer stecken…vielleicht bin ich auch deswegen Vegetarier geworden, weil mir ein offensichtlich großes evolutionäres Bauteil im Stammbaum abhanden gekommen ist. Pervers geradezu, aber was soll man machen?
Übrigens, schon gewusst? Vegetarier ist lateinisch und heißt zu dumm zum jagen. Höhö. Schon mal eine Kuh getötet, zerlegt und zu lecker schmecker Steak und Wurst verarbeitet? Nein? Auch zu dumm zum jagen? Willkommen im Club - hier, nimm dir ne Tofuwurst. Aber Mensch, es schmeckt halt so gut, das tote Tier.

Aller nüchtern betrachtet und natürlich absolut einleuchtender Fleischesser-Argumente zum Trotz - und davon gibt es noch reichlich mehr - es gibt noch ein Phänomen in der Nahrungswelt. Mein absoluter Favorit könnte man sagen! Derjenige, dem es einfach „wurst“ (dem Vegetarier „tofu“) ist, ob jemand Fleisch isst oder eben nicht. Der, der sich nicht unwohl fühlt, wenn ein Freund oder eine Freundin Tiere essen nicht so dufte findet.
Ist doch eigentlich ne prima Sache mit dieser Toleranz. Und wieder sind wir bei „leben und leben lassen“: Du bist, was du isst – aber mir ist das egal, auch wenn du manchmal ein Rindviech (b)is(s)t.

Veggie-Jubiläum

May 2nd, 2010

Über einen Monat ohne Fisch und Fleisch ist geschafft! Und es geht mir besser denn je – auch wenn die prophezeiten „Entzugserscheinungen“ von bekennenden und erfahrenen Langzeit-Veggies tatsächlich in Woche 3 eingetroffen sind. Eher unangenehm, aber mit ein wenig Willenskraft war das nach ein paar Tagen auch überstanden. Inzwischen bin ich resistent gegenüber Fleisch in allen Variationen, einschließlich Grillfleisch und – geruch. Ausserdem bin ich jetzt auch offiziell von meinen Freunden herzlich dazu aufgerufen, meinen Grillkäse in eine freie Ecke aufs heiße Rost zu legen. Die verstehen auch keinen Spaß mehr, was das angeht: “Hey, ich nehm das Thai Curry mit Hühnchen” - “WAS? Du bist doch jetzt Vegetarier!!” - “War nur n Spaß. Einmal mit Gemüse bitte…” - “Boah. Das hätt mich jetzt aber auch echt enttäuscht.”

Kleiner Tipp für potentielle Nachahmer: Wenn ihr niemanden kennt, der tolle vegetarische Rezepte verrät, dann husch husch in den Buchladen und ein gescheites Kochbuch gekauft!! Sonst wären mir nach zwei Wochen wohl die Ideen ausgegangen und das Experiment wäre an chronischer rezeptueller Ideenarmut gescheitert. Jeden Tag Nudeln ist halt auch nix. Dann doch lieber an einem Tag karamellisierte Zwiebeln auf Baguette, einmal eingelegte Aubergine mit Reis, gebratener Ingwer-Tofu (okay, ich geb zu, DAS ist freakig, schmeckt aber wirklich verdammt gut!)…
Ich oute mich jetzt öffentlich als Vegetarier, überbacke lieber Ziegenkäse als Steaks zu braten und erkläre das Experiment hiermit als bestanden. Damit beginnt Phase zwei: Nach dem Experiment ist vor dem Experiment. Es geht weiter wie bisher – vegetarisch. Denn Fleisch kann ja jeder!

Müttersorgen

April 22nd, 2010

“Ähm, ich hab dir doch erzählt, dass ich kein Fleisch mehr essen will…” - “Was? Hast du etwa einen neuen Freund?”

Britney vs Photoshop

April 14th, 2010

Britney Spears zieht blank. Das ist jetzt nicht unbedingt etwas neues, wenn man die vergangenen Jahre der gefallenen Pop-Prinzessin Revue passieren lässt. Im knappen rosa Einteiler präsentiert sich Britney gewohnt frivol. Doch auch sie hat dazu gelernt und weiß: nackig machen ist nicht alles. Es soll zumindest für einen guten Zweck sein! Deswegen präsentiert sie sich nicht nur einfach so im knappen Body, nein, sie geht dabei auch gleich mit dem Hollywood’schen Perfektionsdrang auf Kriegsfuß, weswegen sie zusätzlich auch das unretuschierte Bild veröffentlichen lässt! Ziel: Auch Britney will zeigen, sie ist nicht perfekt. Vorher-Nacher einmal anders.
Recht so, das kennen wir hierzulande ja auch bereits, und zwar von der Frauenzeitschrift Brigitte. Seit wenigen Ausgaben boykottiert diese nämlich den Schönheitswahn und lässt nur noch „richtige Frauen“ ohne Modelmaße ins Magazin. Der Grundgedanke ist wirklich ehrenwert, keine Frage. Doch in Zeiten von Technik und Photoshop wird auch aus der ollen Hausfrau ein Supermodel. Ein paar Falten hier wegretuschiert, ein bisschen weniger Hüfte da und schon entsteht eine zwar offensichtlich „normale“, aber dennoch perfekte Frau.
Und schon haben wir ein neues Problem. Ziel der Kampagne ist es, den Frauen da draußen regelrecht ins Gesicht zu schreien: Du bist perfekt, auch wenn du kein Supermodel bist! Hüfte und Bauchansatz sind okay, mach dich nicht fertig wegen ein paar Mimikfältchen oder etwas unreiner Haut. Die haben die Brigitte Models von der Straße aber leider auch nicht. Denn sie mögen zwar im wahren Leben „normal“ aussehen, das merkt man im Magazin aber nicht (mehr) – der digitalen Retusche sei Dank! Reine Haut wohin man sieht. Die Frauen in der Brigitte sind also normal, sehen aber dennoch so erschreckend perfekt aus. Welche „normale“ Frau sich da wohl noch gut fühlt?
Eine Aufklärungskampagne von jemandem wie Britney erreicht nicht nur die richtige Zielgruppe, nämlich dauerzweifelnde und unsichere Teenager, sie zeigt auch, mit welchen Methoden schöne Frauen noch schöner gemacht werden. Auch die Spears hat Cellulite – klasse! Das sind Nachrichten die Teenager wissen sollten. Vielleicht ist das thematisch nicht der Nabel der Welt, aber wenn man sich mit derlei Aufklärungskampagnen schon beschäftigt, dann frage ich mich, warum man nicht schon früher darauf gekommen ist. Jedenfalls: mehr davon!

Neues vom Vegetarier-Experiment

April 13th, 2010

So, knapp drei Wochen sind geschafft. Es läuft und läuft…und läuft erstaunlich gut! Zumindest von meiner Seite, denn seit dem „Outing“ bin ich zwar zufrieden und motiviert – mein Umfeld allerdings ist unglücklich und motiviert, mir das wieder auszureden. Warum, keine Ahnung. Ich tippe auf planmäßige Massensabotage meines Experiments. Mir wird sogar bereits jetzt mit Grillabenden gedroht!
Die Sache ist nur die: Ich seh ein Fleisch und denk mir „bäh“. Liebe Leute, so wird das nix. Ehrlich nicht. Freut euch doch, nichts für mich bedeutet mehr für euch!
Achja, ich überlege doch irgendwann in Phase 2.0 einzusteigen: Fisch wird auch tabu…aber das dauert noch, das wird nämlich richtig hart ;)

Die Theorie

April 13th, 2010

Okay, eigentlich wollte ich keinen Warum-Männer-nicht-mit-Frauen-können-Blog, aber folgende Theorie wird einfach immer schlüssiger. Deswegen mach ich mal eine Ausnahme.

Hier also die Theorie: Intelligente, schöne Frauen, die das Wort Eifersucht kaum kennen und viele Freiheiten lassen sind für Männer in etwa so interessant wie eine trockene Brotkruste. Zumindest als Partnerin. Offiziell wollen sie zwar alle das Modell „Unkompliziert“, aber auf Dauer gesehen wird das dann doch etwas langweilig. Der Umkehrschluss: Männer wollen Zicken. Anstrengende eifersüchtige Biester – die machen den Alltag spannend, wenn auch nicht immer angenehm. Gleiches gilt für Frauen: Smarte Versorgertypen, die ihrer Frau jeden Wunsch von den Augen ablesen sind out, Modell „Macho“ ist gefragt! Anstrengend, seine Augen und Hände überall - nur nicht da wo sie sein sollten - und macht uns das Leben schwer. Das weckt unsere tiefsten, innersten Mutterinstinkte, hier können wir noch was erziehen. Klar. Klappt nur selten.
Randgruppen wie Typ „Bindungsangst“ (m/w), „Chronisch Unentschlossen“ und „Ich nehme einfach alles“ lassen wir mal außen vor. Das würde jetzt wirklich zu ausführlich werden.

Machos und Zicken sind also versorgt. Und wie steht um den einsamen Rest? Der hat ein gravierendes Problem, denn eigentlich will er ja die Zicke, bzw den Macho, die wollen aber nur das passende Gegenstück. Andere - „normale“ - potentielle Partner sind langweilig, Teufelskreis ahoi! So, und was tun wir jetzt? Anpassung ist gefragt - zumindest wenn man auf Dauer nicht alleine sein möchte. Ein wenig Drama hier, eine Prise Arroganz da und schon wird man wieder interessant. Dass dabei ein Stück Intelligenz auf der Strecke bleibt muss jeder mit sich selbst ausmachen, denn wer will sich schon auf Dauer dramatischer und dümmer machen, als er eigentlich ist? Die Mücke wird nicht von alleine zum Elefanten - anstrengend sein ist anstrengend! Nicht nur für den Gegenüber.
Was lernen wir daraus? „Liebe ist Arbeit, Arbeit, Arbeit!“ (Danke Hape Kerkeling für dieses passende Schlusswort.)

Veggie-Caro

April 10th, 2010

Um mich herum scharen sich immer mehr Vegetarier oder solche, die es werden wollen. Finde ich toll, ehrlich! Bisher dachte ich mir immer wenn ich’s könnte, ich wäre auch Vegetarier. Aber ohne Fleisch geht’s einfach nicht, Gewissensbisse hin oder her. Was soll man auch sonst auf die Stulle legen, wenn nicht ne Scheibe Wurst?
Dann kam der Abend beim Mexikaner und damit das „All you can eat – BBQ“. Ich, 4 fleischlüsterne Männer und unzählige Rippchen. Mir ist heute noch schlecht. Kurz darauf eine äußerst detailverliebte “Wie kommt die Kuh in die Wurst”-Doku im Fernsehen…Genial, besser hätts nicht laufen können!

Augsburg, Erster Tag ohne Fleisch, der Entschluss steht. Vegetarier sein. So. Und jetzt? Zweiter Tag: Ohne Probleme, ich bin stolz auf mich selbst. Warum weiß ich eigentlich nicht, Grund gibt’s ja nicht wirklich. Wobei doch, man kann auch Käse und Obst zum Frühstück essen!
Dann die erste Bewährungsprobe: Ostern bei Mama. Der Teufel hatte seine Finger im Spiel, wieso gibt es auch ausgerechnet jetzt Fleischküchle und Hirschgulasch (und nein, wir nehmen das mit Fisch zu Ostern nicht wirklich ernst)?! Oooh, Fleischküchle, Leib- und Magenspeise!! Aber Spätzle mit Soße sind ja auch ganz lecker. Zitat Mama „Kind, hast du wieder so eine alternative Phase? Naja, wenn du meinst…“ Damit war das Thema gegessen.
Eine Woche drauf bin ich soweit, dass ich in liebevoller Handarbeit mikroskopisch keine Schinkenwürfelchen von meinem Flammkuchen pflücke. Am Ende war zwar kaum noch Belag übrig, aber das wars wert! Lecker, Pizzaboden mit…nix mehr. Am nächsten Tag wird Tofu gekauft, Klischeedenken. War auch ganz okay, irgendwie.

Tags drauf ist klar: Ohne Fleisch geht verdammt einfach. Fisch…schwieriger. Deswegen am Ende der Woche beschlossen, dass Fisch immer noch lecker ist und das Experiment dadurch nicht als gescheitert gilt. Hiermit offiziell Pseudo-Vegetarier (kein Fleisch, aber Fisch) bzw nach Wikipedia “Pescetarier”. Aha. Finden Hardcore-Vegetarier zwar total doof, aber ich finde Fische doof. Und Shrimps sind lecker!
Am Tag darauf frage ich die Kellnerin in der Mittagspause, ob die Pasta vegetarisch ist. Die Kollegen bleiben unbeeindruckt. Am Abend dann die Überraschung: Feierabendbier mit den Herren des „All you can eat - BBQ“, dem Urknall sozusagen. Ich präsentiere mein Vegetarier Experiment! „Was, Vegetarier? Die Scheiße hab ich auch mal mitgemacht, aber ich liebe Fleisch“ schrie ein überzeugter PETA-Anhänger, und biss in ein Chicken Wing….das wars.

Ich mach mir jetzt Salat mit Klischee-Tofu. Und schau wie lang ich daran noch Spaß hab.

Ruderboote vollgepackt und auf gehts!

March 27th, 2010

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Es lebe die Macwelt!

Von Wein und Salamipackungen

January 31st, 2010

“Weisst du, Männer und Frauen, da gibt es einen gewaltigen Unterschied. Wir Männer, wir sind wie Wein. Mit dem Alter werden wir besser, ein paar von uns Korken zwar, aber so im Schnitt werden wir reifer und schmecken immer besser. Frauen hingegen, sind eher wie eine Packung Salami. Einmal aufgerissen, fangen sie an zu schimmeln und gammelig zu werden. So ist das.”
- Michele -

Spätexpressionistische Lerninstallation mit Post-its

October 1st, 2009

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